Es gibt einen Beitrag von mir im BerryBase-Blog, der großes Interesse geweckt hat. Die Rede ist von dem Argon EON Pi NAS mit einem Raspberry Pi 4 und OpenMediaVault als NAS-Oberfläche. Neben den positiven Kommentaren gab es auch einige kritische Rückmeldungen, wobei eine sachliche Diskussion immer zielführend war. Einig war ich mir mit vielen: Von einem richtigen NAS kann man nicht sprechen, weil es mittels USB recht kompliziert ist, ein vernünftiges RAID aufzubauen.
Das Argon EON Pi NAS gibt es mittlerweile nicht mehr so häufig zu kaufen, und eine Adaption für den Raspberry Pi 5 scheint auch nicht angedacht zu sein. Mittlerweile hat Argon Forty, der Entwickler des Argon EON Pi NAS, das offizielle End of Life der Hardware verkündet. Somit sind Ersatzteile schwieriger zu bekommen, und das komplette Gehäuse ist teilweise überteuert nur noch in einigen wenigen Shops erhältlich.
Gerade die PCIe-Schnittstelle des Raspberry Pi 5 ist perfekt für eine schnellere Datenübertragung und ein halbwegs „vernünftiges“ NAS geeignet. Daher habe ich mir als würdigen Nachfolger zum Argon EON Pi NAS einmal die Produkte von Radxa angesehen und geprüft, ob aus den Nachteilen des Argon EON Pi NAS gelernt wurde und ob wir damit ein würdiges Low-Budget-NAS bauen können. So viel sei verraten: Mit dem EOL des Argon EON Pi NAS scheinen die Komponenten von Radxa eine interessante Alternative zu sein!
Vorab zu diesem Blogbeitrag
An dieser Stelle sei klar betont, dass ich den Artikel zum Argon EON Pi NAS nicht komplett neu schreiben werde. Zum einen wurde der Artikel noch mit OMV 7.x geschrieben, zum anderen hat sich auch die Basis von Raspberry Pi OS von Bookworm zu Trixie geändert. Letzteres hat mit einer Komponente von Radxa noch ein Problem, dem Radxa Penta SATA HAT Top Board. Dazu aber später mehr.
Vom Grundprinzip her ist auch die Bedienung von OMV 8.x, welches Stand April 2026 der aktuelle Release ist, gleich geblieben. Viele Dinge haben sich mit dem Release von OMV 8.x eher unter der Haube getan als an der Oberfläche.
Gerade wenn du Freigaben und Ordner anlegen willst, kannst du den Beitrag von mir über die Installation und Verwendung von OMV ab dem Punkt „Installation OMV“ weiter lesen. Wichtig an dieser Stelle: Die Programme für das Argon EON Pi NAS brauchst du nicht zu installieren.
Interessant wird für dich vor allem das Kapitel RAID sein, da mittlerweile durch PCI Express ein RAID mit dem Radxa Penta SATA HAT ohne komplizierte Umwege möglich ist.
Hinweis und für diesen Blog erforderlich
Zunächst einmal ein kleiner Hinweis für die Kritiker: Auch in diesem Blogbeitrag kann man nicht von einem richtigen NAS sprechen. Das wird man mit einem Raspberry Pi 5 wahrscheinlich auch nie vollständig hinbekommen, das ist aber auch nicht der Anspruch. Vielmehr ist es interessant, dass es mittlerweile überhaupt möglich ist, ein RAID einzurichten.
Für den Hobbygebrauch mag das reichen. Wer aber zuverlässige Datensicherheit haben will, sollte stets auf entsprechend professionelle Hardware zurückgreifen. Gängige Anbieter wie z. B. QNAP, UGREEN oder Synology kann man als vollwertige NAS-Anbieter bezeichnen. Entsprechende Lösungen sind sowohl für den Heimgebrauch als auch für den Business-Bereich verfügbar.
Für das hier gezeigte Setup nutze ich:
- einen Raspberry Pi 5 mit 8 GB RAM
- den offiziellen Raspberry Pi Active Cooler
- das Radxa Penta SATA HAT
- das Radxa Penta SATA HAT Top Board für die Kühlung
- 3 x 512 GB SSDs von Intenso
- einen USB-3.1-Stick von SanDisk mit 32 GB für das Betriebssystem
- ein MeanWell-Schaltnetzteil mit 12 V und 6,67 A
- ein Kaltgeräte-Netzkabel für das Schaltnetzteil
- eine alte, nicht mehr genutzte SSD aus meinem Büro
Der Zusammenbau
Packt man erst einmal die ganzen Kartons aus, wird man mit vielen Einzelteilen konfrontiert. Der Zusammenbau des Raspberry Pi 5 und des Active Coolers sollte schnell funktionieren. An dieser Stelle zeigt sich aber schon das erste Problem, siehe Abbildung 1: Die drei vordersten Kühlrippen kollidieren mit dem Hohlstecker.

Die einfachste Variante, um den Kühler und das HAT zu verwenden, ist es, die störenden Kühlrippen mit einer Spitzzange so lange zu biegen, bis diese abbrechen, siehe Abbildung 2. An dieser Stelle empfehle ich, den Active Cooler wieder zu demontieren und die Kühlrippen „sauber“ zu entfernen. Im eingebauten Zustand kann es passieren, dass sich die Platine des Raspberry Pi 5 so stark verbiegt, dass Leiterbahnen beschädigt werden und der Raspberry Pi 5 nicht mehr funktioniert.

Durch diesen „Umbau“ erlischt die Garantie und Gewährleistung des Active Coolers. In der Kühlleistung wird sich das aber voraussichtlich nicht bemerkbar machen.
Letztlich sollte dann, sofern genug von den Kühlrippen entfernt wurde, der Zusammenbau mit dem SATA HAT kein Problem mehr darstellen, siehe Abbildung 3.

Gerade mit dem Flachbandkabel ist bei der Montage vorsichtig umzugehen. Entsprechend der Anleitung solltest du dabei genau vorgehen. Anschließend müssen nur noch die SATA-Festplatten in den Käfigverbund eingebaut und das optionale Radxa Penta SATA HAT Top Board nach Anleitung montiert werden. Dann ist der große Turm auch fertig, siehe Abbildung 4.

Damit ist dein kleines Raspberry Pi 5 NAS mit Radxa Penta SATA HAT fertig und kann in Betrieb genommen werden. Aber auch hier gibt es schon vor der Installation von OMV einige Dinge zu beachten.
Das Betriebssystem und die Anpassungen
Durch die neueste Version von OMV 8 ist mittlerweile auch die neueste Version von Raspberry Pi OS auf Debian-Trixie-Basis möglich. Willst du hingegen OMV 7.x verwenden, kannst du nicht das neueste Raspberry Pi OS verwenden.
Achte bei der Installation von Raspberry Pi OS darauf, dass du die Version ohne Desktopumgebung auswählst. Andernfalls kann es beim Betrieb mit OMV zu Problemen kommen.
Solltest du direkt nach der Installation von Raspberry Pi OS den Raspberry Pi 5 starten und auf die Festplatten zugreifen wollen, wird dir das Terminal nur die SD-Karte oder den USB-Stick anzeigen, siehe Abbildung 5.

Das liegt daran, dass vorher noch einige Änderungen in der Konfiguration vorgenommen werden müssen, damit PCI Express beim Raspberry Pi 5 korrekt eingestellt ist und mit dem Radxa SATA HAT „kommunizieren“ kann.
Öffne dazu am besten über den PC, auf dem du auch das Image auf die SD-Karte oder den USB-Stick gespielt hast, die config.txt. Dort fügst du am Ende hinter [all] die folgenden Zeilen aus Code 1 ein.
#Enable the PCIe external connector
dtparam=pciex1
#Force Gen 3.0 speeds
dtparam=pciex1_gen=3
#Disable warning voltage and current to low
usb_max_current_enable=1
#Load correct PICE-driver for radxa
dtoverlay=pcie-32bit-dma-pi5
Code 1: Erweiterung der config.txt
An dieser Stelle eine kurze Erläuterung, was da genau passiert: Da das Radxa-Board nicht den neuesten HAT+-Standard unterstützt, muss der alte Standard aktiviert werden. Das passiert über „dtparam=pciex1“. Um die volle Geschwindigkeit der PCI-Express-Schnittstelle verwenden zu können, wird direkt auf PCI Express Gen 3 geschaltet.
Das letzte Kommando, usb_max_current_enable, habe ich eingefügt, weil ich trotz eines ausreichend groß dimensionierten Netzteils beim Booten des Raspberry Pi 5 die Fehlermeldung erhalten habe, dass Spannung und Strom zu gering seien. Diese Meldung hat mich persönlich nicht verwundert, da die Stromversorgung über die GPIOs erfolgt.
Bootest du nun den Raspberry Pi 5 und führst das Kommando aus Code 2 aus, werden auch die Festplatten des HATs erkannt, siehe Abbildung 6.
sudo lsblk
Code 2: Alle angeschlossenen Speicher anzeigen

Damit haben wir schon einmal den Speicher für unser NAS. Fehlt noch das optionale Top HAT. Theoretisch sollte das mit dem Befehl aus Code 3 funktionieren.
curl -sL https://rock.sh/get-rockpi-penta | sudo -E bash -
Code 3: Ursprungscode von Radxa
Jedoch habe ich bei einem weiteren Versuch festgestellt, dass die Seite aktuell nicht funktioniert und die Datei deshalb direkt über GitHub heruntergeladen werden muss. Führe dazu Code 4 aus, damit das Top HAT entsprechend funktioniert.
sudo wget https://github.com/radxa/rockpi-penta/releases/download/v0.2.2/rockpi-penta-0.2.2.deb && sudo apt install ./rockpi-penta-0.2.2.deb
Code 4: Das benötigte Paket direkt herunterladen
Hier zeigt sich mit dem neuesten Raspberry Pi OS ein Problem: Dieses Paket baut auf einer alten GPIO-Lib auf, die es im neuesten Raspberry Pi OS nicht mehr gibt.
Radxa hat zwar einen Workaround in der eigenen Dokumentation, diesen Weg finde ich aber recht umständlich. Tatsächlich gab es einen GitHub-User, den dieses Problem so gestört hat, dass er das Paket so umgeschrieben hat, dass es wieder funktioniert, siehe hier. Führe dazu Code 5 aus.
sudo wget https://github.com/Pudel-des-Todes/rockpi-penta/releases/download/0.3.5/rockpi-penta.deb && sudo apt install ./rockpi-penta.deb
Code 5: Das modifizierte deb-Paket
Ist die Installation abgeschlossen, empfehle ich an dieser Stelle erst einmal einen Neustart des Raspberry Pi 5. Im Anschluss folgt die Installation von OpenMediaVault, und nach all den Änderungen ist ein Neustart vorher empfehlenswert.
OpenMediaVault installieren
In meinem Beitrag zu OpenMediaVault, siehe hier, habe ich die Installation und Einrichtung bereits genau erklärt. Diesen Punkt möchte ich daher etwas verkürzen, da er ausführlich im früheren Beitrag erklärt wurde und noch aktuell ist.
Im Prinzip sind die folgenden Schritte nötig:
- alle Pakete von Raspberry Pi OS aktualisieren
- OMV-Skript herunterladen
- Skript ausführen lassen und OMV installieren
- erster Login über die Oberfläche und Grundeinstellungen vornehmen
Nötige Pakete installieren und Festplatten vorbereiten
Damit das Software-RAID auch funktioniert, muss in OpenMediaVault ein Plugin nachinstalliert werden. Gehe unter System > Plugins in die Suche und tippe dort „Multi“ ein. Du solltest in der Liste ein Plugin mit dem Namen openmediavault-md 8.x.x-x finden, siehe Abbildung 7. Dieses muss anschließend installiert werden.

Abbildung 7: Plugin für Software-RAID installieren
Ich bin mir an dieser Stelle bewusst, dass in Abbildung 7 noch eine alte Version angezeigt wird, da ich diesen Schritt auch noch mit OMV 7.x versucht hatte. Du wirst einen Hinweisdialog sehen, der dich noch einmal explizit fragt, ob du das Plugin installieren willst. Diesen musst du bestätigen. Die Installation selbst ist schnell erledigt.
Jetzt solltest du die Festplatten für dein RAID vorbereiten. Ich empfehle an dieser Stelle, zunächst alle Festplatten noch einmal zu löschen, damit es später keine Probleme gibt.
Gehe nun unter Storage > Disks, wähle alle Devices nacheinander aus und klicke oben auf den Radiergummi, um die jeweilige Festplatte zu löschen, siehe Abbildung 8.

Die folgende Meldung kannst du bestätigen und danach „Schnell“ bzw. „Quick“ auswählen. Damit wird die Festplatte nur rudimentär formatiert. Willst du mehr Sicherheit beim Löschen, kannst du auch „Sicher“ bzw. „Secure“ auswählen. Dann dauert das Formatieren je nach Größe der Festplatte deutlich länger.
Das Software-RAID erzeugen
Jetzt kommt der Moment, in dem die Festplatten zu einem sogenannten RAID konfiguriert werden. Welches RAID du auswählst, hängt davon ab, was dein Anwendungszweck ist und wie viel Speicher dir am Ende zur Verfügung stehen soll.
Gut erklärt ist RAID bei Wikipedia. Dort werden die verschiedenen Varianten sowie die Vor- und Nachteile erläutert. In diesem Fall entscheide ich mich für ein RAID 5. Damit habe ich später knapp 1 TB an Speicher zur Verfügung, und im Falle eines Ausfalls sind meine Daten weiterhin abgesichert.
Wechsle in den Menüpunkt Storage > Multiple Devices und erstelle ein neues RAID, siehe Abbildung 9.

Wähle zunächst dein RAID-Level aus, in meinem Fall RAID 5, und anschließend die Festplatten, die zu dem RAID zusammengefasst werden sollen. Wichtig: Je nach RAID-Level brauchst du eine unterschiedliche Anzahl an Festplatten. In diesem Fall wähle ich die drei knapp 500 GB großen Festplatten aus, siehe Abbildung 10.

Über den Button „Save“ wird das RAID zusammengefasst und in der Übersicht entsprechend angezeigt. Die Meldung, dass Änderungen noch gespeichert werden müssen, kannst du quittieren. Wichtig ist, bevor du das RAID nun weiter nutzen kannst, die Status-Anzeige, siehe Abbildung 11.

Wie du siehst, wird das RAID gerade erst aufgebaut. Deshalb kannst du es nicht direkt verwenden bzw. OpenMediaVault wird dir Fehlermeldungen anzeigen, wenn du versuchst, mit dem RAID zu arbeiten. Je nach Größe der Festplatten und ausgewähltem RAID-Level musst du eine längere Zeit warten, bis die Erstellung des RAID abgeschlossen ist.
Als letzten Schritt muss das RAID jetzt noch als verfügbares Device eingebunden werden. Wechsle unter Storage > File Systems in die Übersicht aller eingebundenen Devices und füge über den „Play“-Button ein vorhandenes hinzu, siehe Abbildung 12.

Da das RAID automatisch in EXT4 formatiert ist, kannst du im folgenden Dialog daran nichts ändern. Du kannst nur das RAID auswählen, eine Speicherwarnungsgrenze setzen und Tags vergeben. Anschließend übernimmst du in der File-Systems-Übersicht noch die Konfigurationsänderungen, und das RAID ist fertig.
Teilweise kann es passieren, dass dein RAID doch kein Dateisystem hat. Dann musst du statt des „Play“-Buttons auf das „+“ drücken und das RAID auswählen. Ich empfehle an dieser Stelle das EXT4-Dateiformat. In meinen Tests bin ich nicht auf dieses Problem gestoßen, es gibt aber in diversen Foren immer wieder Berichte, dass das RAID kein Dateisystem besitzen soll.
Letztlich bist du jetzt an dem Punkt, an dem du das RAID so nutzen kannst, wie ich es im Beitrag zum OpenMediaVault-Tutorial erklärt habe. Du kannst neue Ordner und Freigaben einrichten und diese als SMB oder NFS im Netzwerk zur Verfügung stellen.
Ausblick
Dass das Argon EON Pi NAS offiziell den End-of-Life-Status erreicht hat, war durchaus zu erwarten. Mit dem Release im Jahr 2022 hat das Gehäuse knapp vier Jahre existiert und eine interessante Möglichkeit für den Raspberry Pi 4 geboten. Doch mit dem Raspberry Pi 5, der im Oktober 2023 veröffentlicht wurde, war das Interesse wahrscheinlich schnell verflogen.
Durch die neue Hardware des Raspberry Pi 5, gerade mit der PCI-Express-Schnittstelle, war es nur eine Frage der Zeit, bis ein SATA HAT erscheinen musste. Solltest du noch ein Argon EON Pi NAS besitzen, ist dieses natürlich weiterhin nutzbar, auch wenn ein richtiges RAID nur über Umwege via USB möglich ist. Da ist das RAID mit dem Raspberry Pi 5 schon deutlich komfortabler.
Wenn du noch 2,5″-SSDs zu Hause hast, ist dieses Projekt definitiv ein interessanter Einstieg in das Thema NAS.
Zusammenfassung
Was mittlerweile alles mit dem Raspberry Pi 5 und gerade mit HAT- bzw. HAT+-Boards möglich ist, übertrifft bei Weitem den ursprünglichen Gedanken des Raspberry Pi. Der Beitrag hat gezeigt, wie man ein kostengünstiges „NAS“ mit dem Einplatinenrechner erstellen kann.
Ich muss noch einmal betonen, dass dies keine professionelle Lösung ist. Es gibt an dieser Stelle namhafte Hersteller für den einfachen Heimgebrauch bis hin zum professionellen Geschäftsmarkt. Aber um einmal in die Thematik einzusteigen, ist diese Methode sicherlich eine Überlegung wert.
Die Datenübertragung ist, auch durch den recht langsamen LAN-Port, nicht so schnell wie bei einem dedizierten NAS mit schnellerer Netzwerkschnittstelle. Wer größere Datenmengen verschiebt, muss sich etwas gedulden. Auch hier gilt: Performance ist bei diesem Projekt erst einmal Nebensache.
Offiziell gibt es zu diesem Projekt keine Gehäuse von Radxa. Jedoch haben sich einige Maker Gedanken gemacht und einfache bis hin zu sehr komplexe 3D-Druckvorlagen erstellt.
Ich selbst wollte es simpel halten und habe mir an dieser Stelle einfach einen kleinen Tower gedruckt, mit dem Top HAT als Abschlussstück. Basis war eines der vorgestellten Maker-Gehäuse, das ich mit etwas FreeCAD-Magie an meine persönlichen Bedürfnisse angepasst habe.


































