Der Raspberry Pi Imager und seine Tücken

In der Anfangszeit des Raspberry Pi gab es nur die Möglichkeit, ein Image für den beliebten Einplatinenrechner mithilfe von Drittanbieter-Software auf eine SD-Karte oder einen USB-Stick zu kopieren. Offiziell vorgestellt wurde der Raspberry Pi Imager im März 2020. Seitdem wird er stetig weiterentwickelt. Da es sich um ein offizielles Raspberry-Pi-Projekt handelt, ist der Imager inzwischen ein fester Bestandteil von Raspberry Pi OS mit grafischer Oberfläche.

Einen Artikel über Download und Installation vom Raspberry Pi Imager findest du hier:
https://blog.berrybase.de/raspberry-pi-imager-dein-leitfaden-zum-tool/

Zum Zeitpunkt meines Tests befand sich der Raspberry Pi Imager bei Version 2.0.6. Mittlerweile ist mit Version 2.0.8, die Anfang April 2026 veröffentlicht wurde, bereits eine neuere Version verfügbar. Diese bringt vor allem Fehlerbehebungen, Verbesserungen bei Fastboot, Anpassungen an der OS-Konfiguration und kleinere Stabilitätsverbesserungen mit. An der grundsätzlichen Bedienlogik der neuen 2.x-Oberfläche ändert das jedoch nichts.

Version 2.0.6 hatte bereits vieles verbessert, aber in meinen Augen auch einiges verschlimmbessert. In diesem Beitrag gehe ich auf den alten und den aktuellen Imager ein, erkläre einige Funktionen und zeige auch kleinere Schwächen der aktuellen 2.x-Versionen.

Der alte Raspberry Pi Imager

Viele, die sich schon länger mit dem Raspberry Pi beschäftigen, werden an der alten Oberfläche des Raspberry Pi Imagers nicht vorbeigekommen sein, siehe Abbildung 1.

Abbildung 1: Die alte Oberfläche des Raspberry Pi Imagers

So unscheinbar die Oberfläche auf den ersten Blick wirkte, verbarg sie doch ein kleines Geheimnis. In älteren Versionen ließ sich über Strg + Shift + X ein zunächst verstecktes Menü für OS-Anpassungen öffnen. Tatsächlich war dieses Menü vielen Nutzern der Software nicht bekannt. Dort konnten grundlegende Einstellungen wie WLAN, das Aktivieren von SSH sowie das Anpassen von Hostname und Benutzer vorgenommen werden, siehe Abbildung 2.

Abbildung 2: Das versteckte Menü für die OS-Anpassungen

Dadurch musste nicht erst die boot-Partition am PC geöffnet werden, um Konfigurationsdateien zu erzeugen oder zu ändern. Wie gesagt: Die Funktion war versteckt, und nur wer die Release Notes gründlich gelesen hatte, wusste von diesem Menü.

Der Raspberry Pi Imager selbst war von der Menüführung her recht simpel. Man wählte ein Modell des Raspberry Pi aus, anschließend ein Image, danach das passende Laufwerk und schrieb das Image auf die microSD-Karte oder den USB-Stick. In späteren Versionen kam vor dem Schreiben noch ein Zwischendialog hinzu, der nach den Einstellungen fragte, die am Image angepasst werden sollten.

Der aktuelle Raspberry Pi Imager

Seit November 2025 gibt es den Raspberry Pi Imager in einem überarbeiteten Design, siehe Abbildung 3.

Abbildung 3: Raspberry Pi Imager mit überarbeiteter Oberfläche

Die damaligen Release Notes standen unter dem Motto „What if we just changed… everything?“, und diese Aussage war durchaus passend. Neben diversen Korrekturen wurde die komplette Oberfläche und Menüführung neu organisiert. Das ergibt an dieser Stelle durchaus Sinn, da es mittlerweile zahlreiche Generationen des Raspberry Pi gibt, darunter die Zero-Varianten und Sondereditionen wie den Raspberry Pi 400 beziehungsweise Raspberry Pi 500. Gerade beim Raspberry Pi 5 lohnt sich die korrekte Vorauswahl, da hier je nach Zubehör und Speichermedium andere Optionen relevant sein können.

Durch diese Vorauswahl wird im weiteren Verlauf alles ein- beziehungsweise ausgeblendet, was zum ausgewählten Modell passt oder eben nicht passt. Das betrifft vor allem die Auswahl des Betriebssystems.

Das Schöne an der neuen Menüführung ist, dass jeder wichtige Punkt für eine erfolgreiche Konfiguration Schritt für Schritt abgehandelt wird. Wurde zuvor schon einmal etwas konfiguriert, werden diese Einstellungen für das nächste Image genutzt und im jeweiligen Schritt auch angezeigt. Dabei ist es egal, ob es um den Hostnamen, die WLAN-Konfiguration, die Sprache oder andere Optionen geht.

Hast du alle Schritte durchlaufen, wird ein individuell angepasstes Image auf den ausgewählten Speicher geschrieben, das anschließend direkt für deinen Raspberry Pi verwendet werden kann.

Die Tücken mit der aktuellen Oberfläche

Ich muss an dieser Stelle erst einmal erwähnen, dass ich das überarbeitete Design grundsätzlich durchdacht finde. Gerade für Anfänger macht es vieles richtig. Dennoch gibt es bei der Menüführung einige Tücken, die mir zumindest in den letzten Versionen aufgefallen sind und anfangs bei mir für Frust gesorgt haben.

Die aktuelle Oberfläche des Raspberry Pi Imagers ist nach dem Prinzip aufgebaut, alles von oben nach unten abzuarbeiten: Zuerst wird das Modell ausgewählt, danach das Betriebssystem, anschließend der Speicherort für das Image. Danach lassen sich die OS-Anpassungen vornehmen, bevor das Image auf das Speichermedium geschrieben wird.

In der Theorie finde ich diesen Ablauf gut. Hält man sich genau daran, funktioniert er auch zuverlässig. Der Frust beginnt zumindest in den bisherigen Versionen dann, wenn du bewusst OS-Anpassungen überspringst oder nachträglich noch einmal verändern möchtest. Schnell stellst du fest: Der Hostname soll doch anders heißen oder WLAN wird doch nicht benötigt. Der erste Impuls ist dann: „Ich klicke einfach auf den Eintrag und passe es schnell an.“ Genau hier zeigt sich jedoch ein kleiner Detailfehler in der aktuellen Oberfläche. Entweder werden Änderungen nicht übernommen oder der Punkt taucht in der Zusammenfassung nicht auf, siehe Abbildung 4.

Abbildung 4: Fehlende Konfiguration, hier der veränderte Benutzer

Achtet man an dieser Stelle nicht darauf, ist man später verwundert, warum in diesem Beispiel der geänderte Benutzer nicht vorkonfiguriert wurde. Noch ärgerlicher wird es, wenn man vergeblich darauf wartet, dass sich der Raspberry Pi ins WLAN einloggt, ohne direkt zu merken, dass die Konfiguration nie geschrieben wurde.

Mein Fehler war folgender: Da ich wusste, dass der Raspberry Pi Imager meine vorherigen Eingaben gespeichert hatte, bin ich nach der Auswahl des Speichermediums direkt auf der rechten Seite die Reiter durchgegangen, die ich regelmäßig verändere, etwa Benutzer oder Hostname. Da ich jedoch nicht auf den „Weiter“-Button gedrückt habe, wurden die Werte nicht gespeichert beziehungsweise die Änderungen für das OS nicht erfasst. Der Raspberry Pi Imager zwingt dich an dieser Stelle tatsächlich dazu, jedes einzelne Menü zu bestätigen.

Auf der einen Seite ist das nachvollziehbar, auf der anderen Seite macht es den Workflow unnötig kompliziert. Ein zweiter Punkt betrifft gerade den Raspberry Pi 5: Es fehlen Optionen, die man automatisch in die config.txt eintragen könnte. Dazu zählen beispielsweise das Aktivieren beziehungsweise Konfigurieren des PCIe-Controllers und die Nutzung von PCI Express 3.0. Besonders interessant wird das, wenn der Raspberry Pi 5 mit einem Raspberry Pi SSD Kit oder anderem PCIe-/NVMe-Zubehör genutzt wird.

Natürlich gibt es noch weitere Optionen, die durchaus sinnvoll wären. Gleichzeitig besteht dabei aber die Gefahr, dass der Raspberry Pi Imager zu überladen wird.

Ein weiterer Punkt betrifft WLAN und Bluetooth beim Raspberry Pi. In meinem Fall nutze ich die drahtlosen Verbindungen in 98 Prozent meiner Konfigurationen nicht, weshalb ich diese ebenfalls in der config.txt deaktiviere. Auch hier wäre ein entsprechendes Flag durchaus interessant. Allerdings müsste man dann auch den Konfigurator in Raspberry Pi OS so anpassen, dass er diese Konfiguration aus der config.txt entfernen oder wieder hinzufügen kann.

Passende Produkte für den Einstieg

Wenn du den Raspberry Pi Imager selbst ausprobieren möchtest, brauchst du neben einem passenden Raspberry Pi vor allem ein geeignetes Speichermedium, eine schnelle microSD-Karte, ein zuverlässiges Netzteil und ein Gehäuse.

Auf BerryBase.de findest du passende Produkte für diesen Artikel, zum Beispiel:

Raspberry Pi 27W USB-C Power Supply, Netzteil, schwarz
SanDisk Ultra Dual Drive USB 3.1 Type-C & Type-A Stick 32GB
offizielles Gehäuse für Raspberry Pi 5, rot/weiß
2in1 microSD Cardreader mit USB-A und USB-C Stecker, USB 2.0, schwarz
Raspberry Pi 5, 2GB RAM
Raspberry Pi microSDXC Speicherkarte, A2, Class 10, U3, 64GB
Raspberry Pi 5 Starterkit, 64GB microSDHC inkl. Pi OS, Gehäuse, Netzteil, HDMI-Kabel und Zubehör

Damit hast du alles zur Hand, um mit dem Raspberry Pi Imager ein Betriebssystem auf ein Speichermedium zu schreiben und deinen Raspberry Pi direkt in Betrieb zu nehmen.

Zusammenfassung

An dieser Stelle war dieser Beitrag eher ein How-to als ein klassischer Bastelbeitrag. Gerade die Tücken mit dem Raspberry Pi Imager haben mich eine Zeit lang verzweifeln lassen, bis ich verstanden habe, warum mein gewohnter Workflow nicht funktioniert hat.

Der Raspberry Pi Imager ist frei auf GitHub verfügbar. Mit meinen Kenntnissen in C++ und Qt, die ich durch meine Arbeit gesammelt habe, könnte man theoretisch weitere Konfigurationsmöglichkeiten ergänzen. Die Frage ist aber, ob die Hauptentwickler darin überhaupt einen Sinn sehen. Nützlich wäre es an dieser Stelle auf jeden Fall.

Zudem könnte man den Workflow intern so anpassen, dass Voreinstellungen direkter übernommen werden. Alternativ wäre auch ein kleiner Hinweisdialog denkbar, der darauf aufmerksam macht, dass Änderungen erst nach dem Bestätigen des jeweiligen Menüs übernommen werden. Die Frage ist dann, wie gut sich das wieder in das bestehende GUI-Design integrieren lässt. Wie du siehst, führen viele Wege nach Rom. Entscheidend ist am Ende, was am besten ins Konzept passt.

Ich hoffe jedenfalls, dass ich dir mit meinem Problem helfen konnte und du nicht in dieselben Schwierigkeiten läufst.

Die mobile Version verlassen