Der 7. Oktober 2025 war für viele ein ganz gewöhnlicher Dienstag — für die Arduino- und Maker-Community jedoch ein Wendepunkt. An diesem Tag wurde offiziell bekannt gegeben, dass der Open-Source-Hardwarehersteller Arduino vom Chip-Konzern Qualcomm übernommen wurde. Nur kurze Zeit nach der Bekanntgabe folgte bereits die nächste Überraschung — die Vorstellung des Arduino Q. Mit diesem neuen Board schlägt die Plattform ein deutlich leistungsorientierteres Kapitel auf und richtet sich stärker an anspruchsvolle KI-Anwendungen.
Doch was unterscheidet den leistungsstarken Arduino Q vom bisherigen Big Player Raspberry Pi? Welche technischen Neuerungen bringt die Qualcomm-Integration mit sich und für welche Einsatzszenarien lohnt sich das neue Board? Genau diesen Fragen gehen wir in diesem Beitrag Schritt für Schritt nach.
Die Hardware unter der Lupe
Wenn du dir den UNO Q etwas genauer ansiehst, fallen dir sicher die vielen Chips auf der Vorder- und Rückseite des Boards auf. Der bekannte Arduino UNO R3 besteht lediglich aus einem ATmega328P-Mikrocontroller und einer USB-UART-Schnittstelle (ATmega16U2).
Der neue Arduino UNO Q weist dagegen einen deutlich komplexeren Aufbau auf. Diesen schauen wir uns nun genauer an, um einen ersten Eindruck vom Board und seinen Funktionen zu bekommen.
In der folgenden Tabelle findest du eine kurze Beschreibung der Chips.
| Name | wichtige Daten | Beschreibung |
| WCBN3536A | Wi-Fi® 5 802.11a/b/g/n/ac (dual-band) + Bluetooth® 5.1 | Funkmodem (WLAN und Bluetooth) |
| ANX7625 | DisplayPort1.4 | DisplayPort-Schnittstelle für USB-C |
| QRB2210 | Qualcomm Dragonwing™ QRB2210 4 × Arm Cortex-A53 @ 2.0 GHz, 64-bit | Mikroprozessor(MPU); System-On-Chip(SoC1) Leistungsstarker Prozessor für das Betriebssystem |
| LPDDR4 RAM | 2GB/4GB (Je nach Ausführung) | Arbeitsspeicher der MPU |
| PM4125 | Powermanagement | Versorgt die Prozessoren mit den benötigten Spannungen |
| Rückseite: | ||
| eMMC Storage | 16GB / 32GB (Je nach Ausführung) | Flashspeicher der MPU |
| STM32U585 | Arm Cortex-M33 (160 MHz) 2 MB Flash, 786 kB SRAM | Mikrocontroller (MCU) Unabhängiger Chip zur Steuerung der IOs (Vorderseite; UNO-Pins) 3.3V LogicLevel (aber 5V tolerant) |
Eine detaillierte Übersicht findest du im offiziellen Datenblatt.
1 SoC: System on Chip bedeutet, dass mehrere Komponenten wie CPU und GPU in einem Chip integriert sind.
Schnittstellen
Vielleicht sind dir schon die zwei großen Steckleisten (JMEDIA, JMISC) auf der Rückseite aufgefallen. Der Arduino Q verfügt nicht nur über mehrere Chips, sondern auch über eine Vielzahl an Schnittstellen, die im Folgenden genauer erläutert werden.
Typisch für den UNO sind die Buchsenleisten auf der Vorderseite sowie der ISP-Stecker. Diese IO-Pins sind direkt mit dem Mikrocontroller verbunden und dank 5V-Toleranz direkt mit allen Arduino-UNO-Shields kompatibel.
Die USB-C-Buchse dient nicht nur zur Stromversorgung, sondern auch für den Anschluss weiterer Hardware — das kennst du vielleicht auch von modernen Laptops. Über diese kannst du mit einem passenden Hub sogar ein Display anschließen. Achte jedoch darauf, dass das Board mit einem 5V-3A-PD-Netzteil versorgt werden muss.
Kommen wir nun zu den weniger bekannten Steckverbindungen:
QWIIC:
Über diese Schnittstelle können Sensoren und Module miteinander verbunden werden und über I2C kommunizieren. Hier findest du auch eine Vielzahl kompatibler Module im BerryBase-Shop.
JCTL:
Die Stiftleiste neben der USB-C-Buchse ist eine Schnittstelle für Debugging-Adapter. Über diese kann auf die MPU zugegriffen werden. Sie wird vor allem bei der Entwicklung komplexerer Projekte benötigt und richtet sich eher an fortgeschrittene Nutzer.
JMISC / JMEDIA:
Die zwei großen Buchsenleisten auf der Rückseite bieten Schnittstellen für Kamera und Display, mit denen Daten schneller als über USB-C übertragen werden können. Da ein Großteil mit der MPU verbunden ist, muss ein Logic-Level von 1,8V eingehalten werden. Auch diese Schnittstellen werden primär bei komplexeren Projekten genutzt und richten sich eher an fortgeschrittene Nutzer.
Linux auf einem Arduino UNO?!
Das mag zunächst utopisch erscheinen, ist aber mit der leistungsstarken QRB2210-SOC von Qualcomm auf dem
Arduino UNO Q nun möglich. Das hier verwendete Zephyr-Betriebsystem, welches von der Linux Foundation verwaltet wird, ist darauf optimiert, auf Mikrocontrollern betrieben zu werden und hat auch einige Gemeinsamkeiten mit dem Aufbau des Linux-Kernel.
Dieses Betriebssystem ist bereits auf dem Board vorinstalliert. Solltest du ein neues Betriebssystem installieren wollen, findest du hierzu eine umfassende Anleitung in der offiziellen Arduino-Dokumentation.
Eine Konkurrenz zum Raspberry Pi?
Manche Blogger und Autoren in der Mikroelektronikbranche sprechen von einer Konkurrenz zum Raspberry Pi. Doch ist das gerechtfertigt? Um diese Frage zu beantworten, schauen wir uns nun die wichtigsten Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden „Big Player“ an.
Software
Das Arduino App Lab bietet eine übersichtliche und einfach zu bedienende Benutzeroberfläche, in der die Programmierung direkt erfolgen kann. Die weit verbreitete Arduino IDE kann außerdem zur Programmierung des Mikrocontrollers in C/C++ verwendet werden. Mit der Arduino Flasher CLI kannst du dein Betriebssystem deiner Wahl auf den Mikroprozessor laden.
Der Raspberry Pi Imager stellt hingegen eine Vielzahl an Betriebssystemen bereit, insbesondere aus dem Smart-Home-Bereich. Das Aufspielen eines Betriebssystems auf die SD-Karte ist dank der intuitiven Benutzeroberfläche auch ohne Vorkenntnisse einfach möglich.
Hardware
Nicht nur die Software-Kompatibilität ist entscheidend — auch die Möglichkeiten der Hardware spielen eine wichtige Rolle.
I/O:
Ein zentraler Unterschied ist, dass der Arduino UNO Q einen eigenen Mikrocontroller für die I/O-Ansteuerung verwendet. Dadurch können diese unabhängig und in Echtzeit gesteuert werden. Der Raspberry Pi hingegen nutzt einen Mikroprozessor, der auch die I/O-Ansteuerung übernimmt — eine echte Echtzeitfähigkeit ist hier nicht gegeben. Zusätzlich stellt der Arduino UNO Q über den Mikrocontroller integrierte ADCs bereit, während beim Raspberry Pi ein externer ADC erforderlich ist.
Speicher:
Beim Raspberry Pi wird das Betriebssystem auf einer microSD-Karte gespeichert, während der Arduino UNO Q einen fest verbauten Flash-Speicher nutzt. microSD-Karten bieten den Vorteil, dass sich das Betriebssystem einfach wechseln lässt, sind jedoch in der Regel langsamer. Gleichzeitig ermöglichen sie größere Speicherkapazitäten als die 64 GB des Arduino UNO Q. Beim Raspberry Pi 5 sind über die PCIe-Schnittstelle sogar SSDs möglich.
Anschlüsse:
Der Raspberry Pi bietet direkte USB-Ports, Ethernet, eine Mini-HDMI-Buchse sowie eine PCIe-Schnittstelle. Der Arduino UNO Q verfügt hingegen nur über einen USB-C-Port, über den mithilfe eines Hubs auf USB und DisplayPort zugegriffen werden kann.
Hardware-Erweiterung:
Für DIY-Projekte ist die Erweiterbarkeit entscheidend. Der Arduino UNO Q ist mit Arduino-UNO-Shields kompatibel und bietet damit ein breites Anwendungsspektrum. Beim Raspberry Pi kommen sogenannte GPIO-HATs zum Einsatz, die auf die 40-Pin-Leiste gesteckt werden und zahlreiche Erweiterungen ermöglichen.
Arbeitsspeicher:
Beim Arbeitsspeicher bietet der Raspberry Pi eine größere Auswahl und leistungsstärkere Varianten mit bis zu 16 GB (Raspberry Pi 5).
Raspberry Pi 5: 1 GB, 2 GB, 4 GB, 8 GB, 16 GB
UNO Q: 2 GB, 4 GB
Fazit
Welches der beiden Entwicklungsboards „besser“ ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Beide decken unterschiedliche Anwendungsbereiche ab und spielen ihre Stärken in verschiedenen Szenarien aus.
Wenn deine Anwendung stark mit elektronischen Schaltungen arbeitet und du gleichzeitig nicht auf einen leistungsfähigen Prozessor — etwa für KI-Funktionen in Robotik-Projekten — verzichten möchtest, ist der Arduino UNO Q eine gute Wahl. Er verbindet klassische Arduino-typische Hardware-Nähe mit moderner Rechenleistung.
Möchtest du hingegen vor allem ein Software-Projekt umsetzen, beispielsweise mit Benutzeroberfläche, Webanbindung oder anderen Linux-basierten Anwendungen, ist ein Raspberry Pi die passendere Lösung.
Mit einem Preis von unter 50 € für die 2-GB-Variante ist der Arduino UNO Q auf jeden Fall eine interessante Ergänzung für die Bastelschublade. Auch bestehende Arduino-UNO-Projekte können um zusätzliche Funktionen erweitert und weiterhin genutzt werden.
Durch die Zusammenarbeit von Arduino und Qualcomm dürfen wir uns vermutlich auch in Zukunft auf spannende neue Entwicklungsboards freuen.
Alle neuen Arduino Boards findest du natürlich im BerryBase Shop 🙂 .
